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Geschichte der Anarchie - Band 1, Seite 297

 

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glühender Ergebenheit an seine beiden Ziele, ein geeinigtes Italien und den {227] antiautoritären solidaristischen Sozialismus, nur ein Zwittergebäude konstruieren.

Er verwirft in dem berühmten Saggio sulla Rivoluzione (Abhandlung über die Revolution) eine einheitliche Regierung Italiens. „. . . Die Nation wird im Augenblick der Wahlen frei sein und dann, von ihrer Souveränität abdankend, dieselbe in die Hände der von der Volksgunst zur Macht gebrachten legen“; Parteien, Tyrannei der herrschenden Partei, beständiger innerer Streit sind die Folge, und in früheren Zeiten, bis zur venezianischen Republik, stellte unter solchen Verhältnissen ein Patriziat [die politische Herrschaft bevorzugter Kreise] die Einheitlichkeit und Dauer des politischen Apparats her.

Einer italienischen Föderation gegenüber bemerkt Pisacane: „. . . Die Regierungstyrannei in einem kleinen Staate ist von der eine große Nation erdrückenden nicht verschieden; sie ist vielmehr oft schlechter und furchtbarer, weil man ihrem Griff schwerer entgeht . . .“ Und zwischen den kleinen Staaten bestände entweder Gemeinschaft der Interessen – wozu dann die Trennung? – oder Verschiedenheit, worauf, wie im Mittelalter, die Unterliegenden die Hilfe des Auslandes anrufen würden. „Kaum trennt sich ein Teil von einer Nation, um einen Staat zu bilden, so erklärt er seine Autonomie, es entstehen Sonderinteressen, die sich im Verhältnis der Größe und der selbständigen Existenzmöglichkeit des neuen Staates verstärken . . .“ Die sukzessive Vergrößerung kann nicht zum geringsten Teil diese Eigenschaften des Menschen vermehren, im Gegenteil, wären nur zwei Staaten da, würde einer den andern erobern. „Wenn dagegen Italien in so viele Staaten geteilt wäre, wie es Gemeinden besitzt, würde sich daraus von selbst die Einheit ergeben, die einem gemeinsamen Vertrag zu bringenden Opfer wären leichte, und da keiner Aussicht hätte, Widerstand zu leisten und sich zu vergrößern, so würde jeder in dem gemeinsamen Vertrag, in der Einheit, Befriedigung finden.“ Dies war also Pisacanes Lösung, die auf die Auslöschung aller historischen Verhältnisse und den Wiederaufbau von der Gemeinde aus hinausläuft.

Pisacanes antiautoritäre Anschauungen greifen auf naturrechtliche Folgerungen älterer italienischer Ökonomen und auf Proudhon zurück. Seine beiden Grundideen sind: „1. der Mensch ist unabhängig und frei geschaffen, und nur die Bedürfnisse sind Grenzen dieser Eigenschaften. 2. Um diese Grenzen hinauszurücken und die Sphäre seiner Tätigkeit beständig zu erweitern, assoziiert sich der Mensch, aber die Gesellschaft kann nicht zum geringsten Teil diese Eigenschaften des Menschen verletzen, ohne ihren Zweck zu verfehlen.“ Eigentum und Regierung sind die Ursache alles Elends. „Jedes Individuum hat das Recht, alle materiellen Mittel, über welche die Gesellschaft verfügt, zu benutzen zur vollen Entwicklung seiner physischen und moralischen Fähigkeiten; Hauptgegenstand des sozialen Vertrags ist die Garantie der absoluten Freiheit eines jeden. Absolute Unabhängigkeit oder vollständige Selbstangehörigkeit, also Abschaffung der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, Abschaffung jedes nicht auf voller

 

 

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