GdA 1 | Seite 292

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Geschichte der Anarchie - Band 1, Seite 292

 

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durchaus autoritätsfeindlich gedachte Broschüre, aus der ich in der Pariser Revue anarchiste, Juli 1922, die wesentlichsten Stellen anführte, vertritt die Unveräußerbarkeit von Grund und Boden, die revolutionäre Kommune, freien Austausch der Arbeitsprodukte usw., wobei der freiwillige Charakter dieser Einrichtungen ganz besonders betont wird:

„. . . Es wird immer Männer von höherem Talent geben, und deshalb darf die Individualität nicht, ohne in Unterworfenheit zu geraten, mit einer kollektiven Freiheit zusammengemengt werden. Übrigens sagt der Begriff individuelle Freiheit alles; denn eine kollektive Freiheit kann nur durch den Willen mehrerer Individuen entstehen.“

„Es werden sich also zu gemeinsamem Leben, zu Pflichten und Arbeiten, diejenigen vereinigen, die dies für richtig halten, und diejenigen, die sich durch die geringste Unterwerfung beeinträchtigt fühlen, bleiben persönlich unabhängig.“

„Das wahre Prinzip ist also weit entfernt, die unbedingte Gemeinschaft zu fördern. Doch ist es augenscheinlich, daß zur harmonischen Durchführung gewisser Arbeiten viele Produzenten sich zu einer Gesellschaft vereinigen werden, da sie in der Vereinigung ihrer Kräfte Vorteile finden werden. Aber noch einmal, der Kommunismus wird nie ein Grundprinzip sein angesichts der Verschiedenheit unseres Verstandes, unserer Bedürfnisse und unseres Willens . . .“

Selten findet man so den nicht obligatorischen und je nach Wunsch und Bedarf verschiedenen Charakter sozialer Einrichtungen der Zukunft hervorgehoben: welche Unmasse von kräftevergeudender Polemik und von Streit um „ungelegte Eier“ wäre erspart worden, wenn man dies allgemein als selbstverständlich akzeptiert hätte! Der Verfasser war, wie ich durch einen eigentümlichen Zufall nach der Tradition feststellen konnte, ein Dezemberflüchtling aus dem Departement Saône-et-Loire, Félix Pignal, der noch um die Jahrhundertwende in La Craz bei Cluny lebte. Er soll Déjacque in Amerika gekannt haben; dessen Question révolutionnaire und die Philosophie de l‘insoumission erschienen im gleichen Jahr 283.

Wenig beachtet ist auch Plus de Gouvernement (Keine Regierung mehr) in L‘Homme, London, 19. April 1856, von dem Lehrer Benjamin Colin aus Vannes, Bre­tag­ne, 1852 verbannt, lange auf Jersey und Guernsey lebend, gestorben 1884 284. „. . . Ich erkläre mich also offen {223] gegen jede Macht, jede Autorität, jede Regierung. Ich will keine Chefs mehr, ob sie es durch Geburt, Eroberung oder Wahl seien . . .“ Er will weder Vertreter, noch die direkte Regierung (durch das Volk), noch die Herrschaft der Wissenschaft; die Menschheit werde früher oder später „zur Pantocratie (der Macht aller) gelangen, oder vielmehr zur Unterdrückung jeder Macht . . .“


283 Doch ist ihre Bekanntschaft schon 1854 keine zwingende Annahme, da die ohne Angabe des Druckers („New York, 1854“) erschienene Schrift auch in Europa gedruckt sein könnte vor der Übersiedlung Pignals, den Vésinier in der Schweiz gut kannte.

284 Er redigierte später Le Proscrit du Deux-Décembre, Paris, seit 1882, den ich noch nicht durchzusehen Gelegenheit hatte.

 

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